Schmerzensgeld von Michael Opoczinsky - Gemeinsame Buchlesung

Das Thema
Eine kleine Gruppe von raffgierigen Leuten aus der Finanzbranche übernehmen eine Bank, krempeln sie um und lassen von sogenannten Aussendienstlern/Beratern risikoreiche Papiere verkaufen. Diese werden als äusserst lukrativ und zinsbringend angepriesen. Die Berater arbeiten sehr aggressiv und sie werden vom Verwaltungsrat und Bankenpräsident dazu angehalten. Die Folge, viele Leute, zum Teil aus bescheidenen Verhältnissen, werden fast genötigt, ihr Erspartes anzulegen. Das Ganze dauert nicht allzu lange, die versprochenen fetten Gewinne bleiben aus, die Kunden werden ungeduldig. Auch die Berater werden gelinkt, das ganze Konstrukt fällt zusammen.
Derjenige, welcher den grossen Reibach macht, der Bankenpräsident, seilt sich ab. Natürlich hat er, dass so «erwirtschaftete» Geld, vorab geschickt auf Banken im Ausland, in Immobilien, Luxusgütern und anderem angelegt. Da ist kein Rankommen mehr. Die Gesellschaft für unkonventionelle Massnahmen (kurz GUM) wird von einem Opfer auf diese Machenschaften angesprochen und finden es interessant, sich mit einer ausgeklügelten «Lösung» diesem Fall anzunehmen. Zusammen mit einem Fernsehjournalisten, welcher eine Doku mit vielen Betroffenen macht, wird die Sache gross aufgezogen und öffentlich gemacht. Die GUM plant parallel eine «Bestrafung» des Bankenpräsidenten, und setzt auf ihre eigene Gerechtigkeit.
Fazit zum Buch
Dunkle Wolken hängen über einer anonymen Siedlung, darüber in (schmerz-) verzerrter Schrift der Name des Autors und der Titel „Schmerzensgeld“. Daneben eingekreist ein Hinweis: Ein Fall für die "Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen". So präsentiert sich Michael Opoczinsky erster Kriminalroman. Angekündigt wird uns ein moderner Robin-Hood-Krimi mit ironischem Augenzwinkern./ Da darf man gespannt sein, was uns vom ehemaligen WISO Moderator des ZDF erwartet.
Der Roman ging aus einer Auswahl von sieben Romanen, welche für die gemeinsame Buchlesung vom Krimiclub vorgeschlagen wurde, als Sieger hervor. Richtig begeistert zeigte sich schlussendlich niemand davon.
Die Ausgangsidee ist bestechend, und das Thema ist schon seit Robin Hoods Zeiten aktuell. Ungerechtigkeit wühlt auf und beschäftigt die Leser. Von Machenschaften unseriöser Banker und geldgeilen Kleinanlegern ist immer wieder zu hören. Da wünscht man sich doch, dass Gerechtigkeit herrsche. Ins besonders, da die Täter oft durch die Maschen der Justiz schlüpfen. Wer möchte da nicht mal zurückschlagen? Michael Opoczinsky kennt sich damit aus. Jahrelang hat er über im Verbrauchermagazin WISO über schwarze Schafe und Betrüger berichtet. Da staut sich einiges an. Kein Wunder möchte er mal Gerechtigkeit schaffen. Bereits in seinen Sachbüchern wie z.B. „Aussortiert und Abkassiert“ nahm er sich dem Thema an. Nun also in Form eines Kriminalromans.
Die Geschichte ist gut aufgezogen, der Plott mit der GUM interessant, die vielen wechselnde Protagonisten machen den Einstieg jedoch nicht einfach. Anekdote um Anekdote wird zu Beginn aneinander gereiht. Spannung kommt erst mit dem Entführungsfall auf. Dieser ist clever inszeniert und raffiniert ausgeführt. Die Figuren wirken real aber zu klischeehaft. Lebensweisheiten wie „Journalisten machen was sie wollen“ u.ä. tragen auch nicht wirklich zur Geschichte bei. Lobend hervorheben darf man die gute Ortsbeschreibung wie z.B. die Strassen Berlins. Es bleibt jedoch beim Softkrimi. Der Roman liest sich eher wie eine Mahnung an die Gesellschaft, und Moralgeschichte.
Zu hinterfragen darf man den Ansatz der Selbstjustiz. Ist es gerecht, Betrug und ungerechte Bereicherung mit Freiheitsberaubung und Gewalt zu vergelten? Diese Frage beantwortet das Buch nicht. Wie uns der Hinweis auf dem Cover schon impliziert, ist mit weiteren Fällen für die „Gesellschaft für unkonventionelle Massnahmen“ zu rechnen. Man darf gespannt sein, wie Michael Opoczinsky mit dem Thema umgeht.
Kandidaten für die gemeinsame Buchlesung
Erscheinungsjahr | Buch und Beschrieb |
Ferdinand von Schirach |
Der Fall Collini Was treibt einen Menschen, der sich ein Leben lang nichts hat zuschulden kommen lassen, zu einem Mord? Vierunddreißig Jahre hat Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann tötet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es aussieht. Ein Albtraum für den jungen Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Fabrizio Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte. |
James Sallis |
Willnot Eine Grube voller Leichen. Ein Killer, den die Vergangenheit nicht loslässt. Und ein Held, der keiner sein will. Mit »Willnot« zeigt James Sallis einmal mehr, welche literarische Kraft gute Kriminalliteratur entfalten kann. Ein Roman wie ein Schuss aus dem Hinterhalt, überraschend, brutal und geheimnisvoll. In Willnot, einer amerikanischen Kleinstadt, wird eine Grube voller Leichen entdeckt. Lamar Hale, der ortsansässige Arzt, wird vom Sheriff zum Tatort gerufen. Niemand weiß, wer die Opfer sind, geschweige denn, was das Motiv für diese grausame Tat gewesen sein könnte. Eine Spezialeinheit rückt an, um das Gelände zu sichern und mit der Spurensuche zu beginnen. Derweil erhält Lamar Hale Besuch von Brandon Lowndes, einem ehemaligen Patienten, der nach vielen Jahren Abwesenheit wieder in Willnot auftaucht. Über die Gründe für seine Rückkehr schweigt er sich aus. Ein paar Tage später erhält Hale erneut unangekündigten Besuch, diesmal von einer FBI-Agentin namens Theodora Odgen, die sich nach Brandon Lowndes erkundigt. Dem Vernehmen nach war er Scharfschütze bei den Marines, ein Elitekiller, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat. Und genau dieser Brandon Lowndes wird einige Tage später aus dem Hinterhalt angeschossen. Das FBI ist sofort zur Stelle, aber Brandon verschwindet aus dem Krankenhaus, bevor man ihn befragen kann. |
Helon Habila |
Öl auf Wasser In Port Harcourt im Nigerdelta regieren die internationalen Ölkonzerne, die vor der Küste Nigerias bohren. Als die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters entführt wird und eine Lösegeldforderung eintrifft, wittert der junge Journalist Rufus eine grosse Story. Gemeinsam mit dem gealterten Starreporter Zaq reist er ins Nigerdelta und betritt eine apokalyptische Welt, in der die kleinen Fischer als Spielball der Grossen und Mächtigen ums Überleben kämpfen. Nur in einem kleinen Dorf scheint die Welt noch in Ordnung - doch die Ruhe trügt. |
Paul Wittwer |
Bestzeller In Bern herrschen mediterrane Verhältnisse. Schwimmbäder und Eisstände feiern neue Rekorde, Hitzeopfer und Badeunfälle beschäftigen die Notfallstationen der Spitäler. Nichts mit der Hitzewelle zu tun hat ein Ertrinkungsunfall, der sich in den kühlen Gängen der Stadtkanalisation ereignet. Thomas Zaugg, Hausarzt in Bern, leistet vor Ort erste Hilfe. Trotzdem stirbt der Verunfallte wenige Tage später im Inselspital. Ausgerechnet der Fahnder mit der empfindlichsten Nase, wird beauftragt, die Untersuchungen in Berns Abwassersystem aufzunehmen. Neben den Drecksmolekülen der Kanalisation belasten Limacher bei seiner Arbeit unter anderem eine defekte Kaffeemaschine und der Tod seiner Mutter. Doktor Zaugg scheint zunächst eine unbedeutende Rolle zu spielen. Aber je länger sich die Polizei mit dem Fall befasst, desto mehr rückt der Arzt in den Fokus der Untersuchungen: Unter seinem weissen Kittel zeichnen sich dunkle Flecken ab … |
Michael Opoczynski |
Schmerzensgeld In »Schmerzensgeld« trifft ein Ermittlerteam mit äußerst unkonventionellen Methoden auf Finanzhaie, die glauben, sich nicht an die Regeln halten zu müssen: Michael Opoczynski rechnet in seinem spannenden Wirtschaftsthriller mit der Banken- und Finanzwelt ab, über die er lange in der ZDF-Sendung »WISO« berichtet hat. Der erste Fall führt die »Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen« auf die Fährte einer Privatbank, die jahrelang ihre Kunden geprellt hat. Nach allen Regeln der Kunst und gleichzeitig juristisch unangreifbar wurden tausende einfache Leute geschädigt. Sie haben alles verloren. Sie sind wütend, sie wollen Rache. Doch sie sind machtlos – bis sich die Gesellschaft der Sache annimmt. Ihr Ziel: Ungerechtigkeit aufdecken, die Täter fassen und sie in der Öffentlichkeit bloßstellen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht |
Nidad Siris |
Ali Hassans Intrige Nihad Siris wurde 1950 in der syrischen Stadt Aleppo (Halab) geboren. Er studierte Ingenieurswissenschaften in Sofia (Bulgarien) und war zunächst Bauingenieur. Seit 1987 schreibt er regelmäßig Erzählungen, Theaterstücke, Drehbücher und historische Romane. Nach der Veröffentlichung seiner ersten Romane, die in der Stadt Aleppo spielen und sich mit dem Leben der dortigen Mittelklasse befassen, aber auch politische, historische und soziale Themen behandeln, galt er bald als Vertreter des Realismus |